Das vordere und hintere Kreuzband haben eine wichtige zentrale Stabilisierungsfunktion und senden durch ihre Rezeptoren Informationen an die Muskulatur, die wiederum durch Kontraktion das Knie stabilisiert. Bei Verletzungen der Kreuzbänder ist sowohl die aktive, als auch die passive Stabilisation des Kniegelenkes beeinträchtigt, sodass eine Wiederherstellung (Rekonstruktion) der Kreuzbänder sehr wichtig ist. 

Das vordere Kreuzband wird meist bei Rotations- und Sprungsport verletzt. Das hintere Kreuzband durch größere Gewalteinwirkung von vorne.
Der Knorpelüberzug der Kniescheibe, beider Oberschenkelrollen und beider Schienbeinplateaus, haben eine wichtige Schutz und Gleitfunktion und werden bei Kniegelenkinstabilität (fehlenden Kreuzbändern) vorzeitig abgenutzt (Arthrose).

Kreuzbandverletzungen

Isolierte Innen- und Außenbandverletzungen werden bei geringer und mittlerer Instabilität nicht mehr operiert, aber frühfunktionell behandelt. Eine längere Ruhigstellung wird vermieden und die Verletzung frühfunktionell durch passive und aktive Bewegungsübungen zur Verbesserung der gewünschten Narbenbildung durchgeführt.

Die frühfunktionelle Behandlung wird im schmerzfreien Bereich mit schmerzlindernden Medikamenten und eventuell stützenden funktionellen Verbände durchgeführt.

Bei noch bestehender Instabilität und besonders bei dringendem Wunsch nach Rotationssport, Sprungsport oder bei belastender schwerer körperlicher Tätigkeit, ist oft eine so genannte sekundäre Stabilisationsoperation erforderlich.

Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass die so genannte postprimäre Operation, d.h. die Operation 6-12 Wochen nach der Verletzung, bessere Ergebnisse zeigt und dass die Komplikationsrate besonders ein nachoperative Gelenksteife (Arthrofibrose), dadurch vermindert wird.

Das vordere Kreuzband wird arthroskopisch durch körpereigenes Sehnenmaterial ersetzt und temporär bis zur Heilung mit selbstauflösendem Material fixiert. Auch das hintere Kreuzband kann arthroskopisch durch körpereigenes Sehnenmaterial ersetzt werden.

Operationstechnik

Die Operation wird arthroskopisch durchgeführt. Wir benutzen in den meisten Fällen die Semitendinosussehne, bei einer notwendigen 2. Kreuzbandersatzoperation die Patellarsehne oder Quadrizepssehne.

Besonders in der arthroskopischen Kreuzbandersatzchirurgie hat sich die Semitendinosussehne und ihre Nachbarsehne (die Grazilessehne) als Bandersatz durchgesetzt. Diese weisen eine ähnliche Reißfestigkeit und Elastizität wie das natürliche Kreuzband auf.

Untersuchungen haben gezeigt, dass die Entnahme der o.g. Sehne ohne Kraft oder Funktionsverlust sehr gut toleriert wird. Die Entnahme der Sehne wird durch einen ca. 2-3 cm langen Schnitt durchgeführt.

Während der Arthroskopie werden die Begleitverletzungen am Meniskus und Knorpel behandelt. Die Semitendinosussehne wird mit einem Ringmesser nach Ablösungen des Ansatzes entnommen. Die Sehne hat im Durchschnitt eine Länge von 27 cm. Sie wird halbiert und 4-fach gebündelt, sodass das Transplantat eine Länge von durchschnittlich 7 cm beträgt.

Unter arthroskopischer Sicht wird die Sehne durch 2 Bohrkanäle mittels Zielgerät durch das Knie an zuvor exakt definierter Stelle durchgezogen.

Das neue Kreuzband wird in den meisten Fällen mit resorbierbarem Implantat fixiert. Die sehr stabile Fixation des neuen Kreuzbandes ist besonders die ersten 3 Monate wichtig, danach ist das Kreuzband im Knochentunnel eingeheilt.

Nach der Operation wird das Knie gewickelt und mit einer verstellbaren Schiene fixiert. Postoperativ ist eine konsequente Hochlagerung sowie Eisbehandlung für mind. 3 Tage erforderlich. Die Drainage wird am 1.oder 2. postoperativen Tag entfernt.